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Historische Stadtbibliothek, Klosterchor

Das hiesige Kloster der Augustiner-Eremiten wurde 1291 von Albrecht Gailling zu Illesheim-Röllinghausen gestiftet. 1523 waren dem Kloster nur noch der Prior und zwei Mönche verblieben, die sich der Reformation ihres Ordensbruders Martin Luther zuwandten. Im Jahr 1525 löste man das Kloster auf und nutzt das Gebäude nun seit 1559 als Stadtbibliothek.

Auf einen Blick:

  • 1559: Bibliothek als öffentliche Studienbibliothek gegründet
  • 1623: Aufstellung der Bibliothek im eigens umgebauten Klosterchor
  • 2013: unverändert seit nunmehr 390 Jahren!

Das Anwesen Klosterplatz 3 (sogenanntes Kloster bzw. Bibliothek) und das Archivgebäude stehen in der Denkmalliste, die Bibliothek mit guter Berechtigung bereits mit dem Zusatz “mit Ausstattung” also auch das historische Mobiliar (17./18. Jh.) und der wertvolle Buchbestand (12.-18. Jh.). Beide Gebäude sind außerdem auf Betreiben des ehemaligen Stadtarchivars, Herrn Schlosser, seit 9.8.1994 als “Schutzwürdiges Kulturgut” nach der Haager Konvention eingestuft.

Die 1559 vom Rat der Reichsstadt als allgemein zugänglich gegründete Bibliothek befand sich anfangs in einer “unteren Stube” des ehemaligen, 1525 aufgelösten Klosters der Augustinereremiten, ab 1573 in der neuerbauten Lateinschule und steht seit 1623 unverändert bis heute in Ihrem jetzigen Gebäude, das man eigens zu diesem Zweck grundlegend umgebaut hatte. Dazu war der schon 1594 vom Kirchenschiff getrennte Chor der Klosterkirche 1615/16 völlig umgestaltet worden (neue westliche Abschlußwand, neuer Dachstuhl, Einzug einer Zwischendecke, Anbau eines Turmes mit Aufgang zu diesem neuen Obergeschoss).

Mit gutem Recht sprechen die Archivalien damals von einem ganz “neuen Bau”, und das Gebäude wird fortan zumeist nur schlicht als “die Bibliothek” bezeichnet. Auch die Büchersammlung selbst wurde zunächst einfach “die Bibliothek” genannt, ab dem 19. Jh. zunehmend auch “Stadtbibliothek.

Erst in den letzten 50 Jahren trug das allmähliche Vergessen dieser Zusammenhänge und die gleichzeitige Existenz einer Stadtbücherei (seit 1977 Kreisbücherei) mit dazu bei, dass sich zur leichteren Unterscheidung allmählich der Name “Klosterbibliothek” einbürgerte.

1713 wurden die damals noch bestehenden übrigen Konventsgebäude abgerissen, so dass der Chor der Klosterkirche (und dies auch wohl nur dank seiner neuen Nutzung) heute als einziger baulicher Rest des Klosters erhalten geblieben ist. Er kann aber aufgrund des geschilderten tiefgreifenden Umbaus auch als ein frühes Beispiel eines selbständigen Bibliothekszweckbaus angesehen werden.

Die Kirchenbibliothek der Nikolaikirche in Isny (Allgäu) steht noch heute in einem eigenen, 1482 erstmals erwähnten Raum über der Sakristei, der als “einer der ältesten erhaltenen Bibliotheksräume” im deutschsprachigen Raum gewertet wird. Ähnlich befinden sich Teile der Kirchenbibliothek der Stadtpfarrkirche im nahen Neustadt/Aisch seit 1525 bis heute in einem Raum über der Sakristei.

Der Neubau für die damalige Hofbibliothek in Wolfenbüttel (1706-10, bezogen 1723, 1880 abgerissen) gilt als “erstes selbständiges großes Bibliotheksgebäude in Europs seit der Antike” überhaupt.

In diesem Rahmen ist die Windsheimer Stadtbibliothek von 1559 mit ihrem bis heute von ihr genutzten Gebäude von 1616/17 zu sehen.

Im Gegensatz zu den zwar rund ein Jahrhundert älteren Beispielen für ebenfalls bis heute genutzten Bibliotheksräumen in Isny oder Neustadt handelt es sich hier sogar um ein zu diesem Zweck völlig umgestaltetes eigenes Gebäude, um einen selbständigen Bibliotheksbau.

Im Vergleich mit den in Europa erst mit dem 18. Jh. entstehenden ersten selbständigen großen Bibliotheksgebäuden ist der Windsheimer Bau sogar einhundert Jahre älter, einhudert Jahre länger unverändert genutzt, doch kann sich die Bibliothek in dessen Größe wie auch im Umfang ihres Bestandes natürlich nicht mit diesem großen Bibliotheksgebäude messen.

Blick in die historische Stadtbibliothek

Die Räume der historischen Stadtbibliothek sind der Öffentlichkeit aus statischen und konservatorischen Gründen momentan nicht zugänglich. Das Video erzählt die Geschichte von Maria Barbara von Reitzenstein und gibt dabei auch Einblicke in die Bibliotheksräume und ihren Bestand, der bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht.

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